Pressestimmen (Press Comments)

Hypnotisch [Frankfurter Rundschau, Juni 1999]


Beim Magier daheim kann es auch nicht viel anders aussehen. Eine kleine mattschwarze Kiste liegt auf dem einzigen Tisch im Raum; daneben eine schwarze Rolle mit konzentrischen weißen Kreisen. Rätselhafte Portraitbilder an der Wand: Opfer, ganz offenbar, der speziellen Hypnosetechnik, welche die Besitzerin dieses ganzen Zaubers regelmäßig ausübt - mancher Betrachter, der hier vorbeischaut, nennt es Fotografie. Die nostalgisch, mithin wie magisch aufgeladene Atmosphäre kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich greift Henrieke I. Strecker mit Vorliebe auf Bildtechniken aus der Pionierzeit des Mediums zurück - einer Zeit, in der noch der Hauch des Zaubrischen die Lichtbildnerei umwehte. 
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Da gibt es keine stoß- und wasserfesten Kameras mit Selbstauslöser, keine Automatik, keine Digitalanzeige. Nicht einmal ein Objektiv: Sowas baut Strecker eigenhändig aus. Denn ihre Bilder entstehen mit der Lochkamera; Linsen würden da nur stören. Mit langen Belichtungszeiten entstehen in Strecker's Wunderkisten Lichtbilder, die in der Tat an den Charme der frühesten Fotografien erinnern. In weichen Konturen und mildem Licht erscheinen die Gesichter, Räume, Requisiten eher als Schemen denn als glasklare Zeichnung. Selbst sanfte Bewegungen werden als Lichtspur sichtbar: Bilder, die auf unnachahmliche Weise zu atmen scheinen. Und da ist die Magierin schon so gut wie am Ziel.

Das sanfte Licht [Ausstellung im Deutschen Filmmuseum, Frankfurt am Main, Frankfurter Rundschau, Juni 2000]


Da ist beispielsweise das Portrait eines Mannes, verfremdet bis ins Fratzenhafte. Die Konturen des Gesichts sind verwischt, so als ob jemand die Kamera nicht ruhig hat halten können, der Kopf des Fotografierten scheint ins Riesenhafte aufquellen zu wollen, ein bisschen so wie ein Geschöpf von Francis Bacon. ( ... )

Sehr eindringlich ist dieses Licht bei den Portraits. Es scheint als könne man den Lichtstrahlen dabei zusehen, wie sie die Gesichter abtasten, in aller Ruhe, weil ja genügend Zeit ist. ( ... )

Damit sich die Besucher auch etwas vorstellen können unter Kameras mit Lochblende, unter Zonenplatten und Camera Obscura, sind in einem Glaskasten einige Apparate ausgestellt. Darunter ist auch eine der Kameras, die Henrieke I. Strecker selbst baut, und einer sieht man deutlich an, wie einfach das Prinzip der Lochblende ist. Die besteht aus einer Pappschachtel für Teefilter, und den Autozoom sucht man da vergeblich.

Aufnahmen mit der Lochblende und der Zonenplatte [Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main, 2000]


„Photographieren mit der Lochkamera beinhaltet für mich, Raum und Zeit und ihre Veränderung wahrzunehmen, ohne mich der Hektik, dem stets zunehmenden Drang, nach noch größerer Geschwindigkeit auszuliefern. Die langen Belichtungszeiten lassen das ganze Geschehen auf einem einzigen Bild erkennen.“

Nur die Urform der Fotokamera bietet Henrieke Strecker die Möglichkeit, das Geschehen um sie herum auf diese Art photographisch festzuhalten. Die Künstlerin verweilt ruhig teilnehmend am gleichen Ort und beobachtet Geschichten, die um sie herum geschehen. So hinterlassen vorbeilaufende Menschen nur schwache Spuren auf einem Bild, scharf umrissen erscheint das Unbewegte.

Für Henrieke Strecker haben diese Photos die Qualität von Skizzen.

„Diese Bewegungen, Stimmungen will ich in den Bildern wiedergeben. Nicht der isolierte Moment, im Sinne einer Reportage das „wirklichkeitsgetreue“ Abbild, sondern das Erleben in der Situation, in der die Aufnahme entstand. So fülle ich Skizzen, erinnere mich und versuche dem Ausdruck zu geben ...“

  Mit der Lochkamera die Langsamkeit entdecken [Frankfurter Neue Presse, Juni 2000]


( ... ) Ihre Fotografien sollen nicht Abbild eines Augenblicks sein, vielmehr halten sie die Bewegung fest. Denn nur unbewegliche Dinge zeichnen sich auf der Fotografie scharf ab, vorübergehende Menschen oder Wellen sind dagegen nur undeutlich zu sehen, als wollten sie keine Spuren hinterlassen.

„Wichtig ist mir bei der Arbeit vor allem die Langsamkeit“, betont die Fotografin. So nutzt sie die Arbeit mit der Lochkamera auch als Innehalten in einem Alltag, der zunehmend durch Geschwindigkeit und Bilderflut geprägt ist.
Immer spielt der Zufall eine große Rolle in ihren Werken. „Ich stelle die Kamera meist auf den Boden, benutze kein zusätzliches Licht.“ Auch ihren Modellen lässt sie alle Freiheiten, wenn sie sie bei einer Belichtungszeit von sechs Minuten nur vor ein farbiges Handtuch setzt. ( ... )

Das Ergebnis sind Porträts. die verschiedenste Reaktionen zeigen. Wo kaum geblinzelt wurde, stechen die Augen des Abgebildeten hervor, eine Frau dagegen hat sie völlig geschlossen. Manche Gesichter sind bis ins Fratzenhafte verzerrt oder hinter einem Schleier verschwunden. ( ... )

Immer schafft der Abgebildete das Werk mit, wenn Henrieke Strecker ihre Kamera aufstellt.

  Rätselhafte Seelandschaften [Frankfurter Allgemeine, Juni 2000]


Diffuse Lichtbilder, die nicht einen einmaligen, gleichsam isolierten Augenblick festhalten, sondern eine ganze Situation durch die extrem langen Belichtungszeiten prozesshaft nachzeichnen. Portraits in verhaltenen Farben sind zu sehen ( ... ) mitunter sehr expressiv und manchmal voller Bewegung. Oder rätselhaft wirkende schwarzweiße Seelandschaften und ähnliche Szenerien in sanften bläulichen Tönen.

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